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 Des Brauchtums Sitte- oder ; Eine Erzählung

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Lucky77

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Männlich Anzahl der Beiträge : 856
Ort : Hyperborea

BeitragThema: Des Brauchtums Sitte- oder ; Eine Erzählung   Do Dez 13, 2012 4:31 am

Nach der Bekehrung unserer Vorfahren zum Christentum lebten
manche heidnische Anschauungen noch lange im Gedächtnis des Volkes fort
und vielfach glaubt man in Gestalten der heimatlichen
Sage deutliche Züge der verlassenen Götter unserer Urväter zu
erkennen.










Aber auch in Märchen, Sprüchen, Kinderreimen, Festbräuchen,
im Aberglauben und in mancher schlichten Volksmeinung sind oft
ehrwürdige Bruchstücke aus der religiösen Vorstellungswelt der
alten Germanen, Nachklänge einer um anderthalb Jahrtausende hinter
uns liegenden heidnischen Zeit erhalten.










Als christliche Glaubensprediger das Zeichen des Kreuzes
auspflanzten und sich an den alten Opferstätten Kirchen und Kapellen
erhoben, gingen die Missionare mit Schonung vor und indem sie
Ähnlichkeiten zur Anbahnung des Überganges klug benutzten und die
Feste der Heiden allmählich in christliche verwandelten, ward auch
manche heidnische Mythe zu christlichen Heiligen in Beziehung
gebracht.










Jetzt stellte man St. Martin, den Reiter in dem Mantel mit
Lanze oder Schwert und einem breitrandigen, tief ins Gesicht gedrückten
Hute dar, wie man sich in heidnischer Zeit den
Kriegsgott vorgestellt haben soll und machte auch ihn zum Beschützer
der Kriegsleute, von dessen Verehrung seine Beliebtheit als
Kirchenpatron Zeugnis gibt. Kapellen in Dornbirn, Rötis, Ludesch,
Beschling, Bürs, Parthenen und anderen Orten sind ihm schon in
früher Zeit geweiht. Ähnlich war auch St. Michael, der als Patron in
Schlins, Gaschurn, Rankweil und anderen Orten waltet,
hochangesehen in deutschen Landen und die Verbreitung seines Namens
entspricht ganz der Popularität des schwäbischen Lieblingsgottes Ziu,
der dem Erzengel nach Ablauf seiner Herrschaft sogar das
zweischneidige Schwert abgetreten hat. Wie der Woensdag im deutschen
Norden an Wodan, erinnern der Zistig, Zitzerhausen bei Konstanz und
weniger wahrscheinlich Zitzer in Bludesch an den
mächtigsten Gott des schwäbischen Himmels. Auf den ritterlichen St.
Georg sind die Eigenschaften des Gewittergottes Donar übergegangen,
weshalb er als Wetterheiliger zu Ehren kam. Ihm wollen auch
verschiedene Orte Schwabens die Befreiung von einem Drachenungeheuer
verdanken und seine Bilder, die ihn als gewappneten Krieger auf weißem
Streitross zeigen, deuten auf eine Verknüpfung mit dem
schwäbischen Kriegsgott hin; dass Ziu ursprünglich überhaupt der
höchste germanische Gott gewesen sein muss, verraten noch durch ihren
gemeinsamen Stamm der Zeus der Griechen und Diespiter der
Römer.










Die erhabenen Naturerscheinungen des Hochgebirges und des
Hochgewitters waren zu allen Zeiten und bei allen Völkern auf die
Weiterbildung der Naturreligion von großem Einfluss und aus ihr
entstanden zum Teil die hehren Göttergestalten, die sich über die
Gebilde der niederen Mythologie erhoben. Lange hat man auch den
mystischen Alten, der nach der heimatlichen Sage mit dunklem
Mantel und breitrandigem Hut auf einem weißen Schimmel reitend,
besonders im Allgäu überall angetroffen wird, als den in des Volkes
Erinnerung fortlebenden Vater der Götter und Menschen
betrachtet und die Sagen vom Schimmelreiter bei Bludesch, dem
Alpknecht mit weißem Ross, dem Mann auf der Alpe Salundi u. a. in
Beziehung zu Wodan bringen wollen. Jedenfalls gelten die Sagen von
der wilden Jagd, oder dem Nachtvolk heute sogar noch als älter wie
die germanische Religion selbst und die um Martini und die Zeit der
zwölf heiligen Nächte brausenden Stürme, die in den dunklen
Winternächten mit ihrem Wutgeheul Haus und Bewohner erzittern
lassen, verdichteten sich im Glauben der indogermanischen Ahnen zum
wütenden Heer, das bei uns noch als Wuetes oder Muetes bezeichnet
wird. Mit dem Wind- und Seelengott Wode fährt das Heer der
abgeschiedenen Seelen, das Totenvolk, das im Jenseits Strafe für
irdische Frevel büßt, durch die Lüfte, und wie dann der niederdeutsche
Bauer sagt: „Der Wuode jagt", meint der Gebirgler unserer Heimat:
„Das ist s' Wuetes!" Wie innig die Vorstellungen von Wuotes Heer in
unserem Volke den Lauf der Jahrhunderte überdauerten, zeigen
unzählige Sagen und einzelne Bräuche von St. Martins- und
Nikolaustag. Auch bei uns, im Tirol und Allgäu begegnen dabei die
nämlichen Züge, wie sie in der nordischen Sagenwelt erscheinen. (Vgl.
Grimm, Myth. I. 254.)










An der warnenden Stimme, die gelegentlich aus dem Wuetes der
heimischen Sage ruft, wollte man den getreuen Eckhard erkennen, während
im alten Mütterchen, das mit der Kelle den Zug
beschließt, die einst hochverehrte Gemahlin des Himmelsgottes
gesehen wurde, deren Kelle noch auf die einstige Bedeutung als
Schutzgöttin der Familie hinweisen sollte. Im Kinderspiel erscheint
Frau Rosa, die mit ihren weiß und schwarzen Locken an die halb weiß,
halb schwarze Göttin Hel erinnert.










In leuchtend weißen Gewändern haben nach der Sage Frauen und
Jungfrauen während des Appenzellerkrieges am Stoß, im Schwedenkrieg an
der Roten Egg und in den Franzosenkriegen auf dem
Sulzberg am Kampfe teilgenommen. Auch in dieser historisch
unbegründeten Überlieferung kann man die Lokalisierung der
indogermanischen Walküren -Mythe beobachten. Der Bericht, welcher
erzählt,
dass die Feinde die weißen Gestalten für himmlische Wesen hielten
und deshalb von Staunen und Schrecken erfasst worden seien, offenbart
noch den mythologischen Kern.










Bei den Sagen von den weißgekleideten Burgfräulein auf der
Rosenegg, dem Stuchawibli und anderen hat man an die weißen Jungfrauen
der deutschen Mythe gedacht, die oft im Sonnenschein mit
einem Schlüsselbund am Gürtel armen Hirten an Quellen und Wassern
erscheinen und ihnen lieblich lächelnd verborgene Schätze weisen.










Wie bei Griechen und Römern sind die Schicksalsgöttinnen
auch bei den Deutschen in Dreizahl. Die besonders im Allgäu verbreiteten
Sagen von den drei Fräulein können daher ebenfalls schon
in vorgermanische Zeit zurückreichen. In Kinderreimen von den drei
Frauen, die je nach der Gegend aus dem Wangener, Bregenzer, Bludenzer
oder Walastadter Schlößle schauen und Seide spinnen, hat
sich noch deutlich die Erinnerung an die den Lebensfaden spinnenden
Nornen erhalten und die Sage von den drei Burgfräulein auf dem Schlosse
Hohenegg erzählt, wie man die drei Schwestern fast
jeden Tag mit ihren Spinnrocken und einem Korbe voll Spindeln an
einem Schloss Fenster sitzen und den goldenen Garnhaspel drehen sah.










Die Sage von den über ein Goldbrünnlein aufsteigenden
Dreischwestern bei Frastanz lässt an die Nornen am Urdarbrunnen denken,
während das Venedigermännlein an die Zwerge, die den Hort der
Nibelungen hüten, erinnert. Die Erzählungen von goldsuchenden
Zwergen, fahrenden Schülern und Wildmännlein ersetzen in unserer Gegend
die meistens fehlenden Riesen der deutschen Sage.










Gestalten der niederen Mythologie wie Wichte, Elben, Zwerge,
Kobolde, Feld-, Wald-, Wasser-, Haus- und Berggeister oder Bütze, sind
die religiösen Gebilde einfacher Naturvölker und
entstammen noch einer Zeit, die weit über die germanische
zurückreicht.










Sitten, Gebräuche und Meinungen unseres Volkes, in denen
sich Reste des alten Götterglaubens und der einstigen Gottesverehrung
erhalten haben, lassen ahnen, wie tiefsinnig die Religion
der germanischen Stämme und wie sinnreich ihr Kult war.










Aus der Fülle profaner und kirchlicher Bräuche, die bald
noch in ursprünglicher Form, bald in christlichem Gewande erscheinen und
die Festtage im Kreislauf des Jahres umkränzen, lässt
sich noch heute ein lebensvolles Bild von den uralten Anschauungen
gewinnen, die sich aus heidnischer Vorzeit in die christlich-germanische
Ideenwelt hinübergerettet haben. Im Besitze einer
Religion, die sich aus der Naturbetrachtung heraus entwickelt hatte,
ließen die Germanen keinen wichtigen Wendepunkt, der auf die Vorgänge
der Natur von Bedeutung war, ohne Feier vorüber
gehen.










Wenn im Herbst die Ernte beendet war, beging man mit viel
Aufwand das heidnische Erntefest; die christliche Kirchweih wird bis in
unsere Tage in ähnlicher Weise gefeiert und wie im
November die großen Opferfeste gehalten wurden, pflegte man jetzt
den Tag des hl. Martin mit festlichem Schmause zu begehen und noch heute
ist Martini, um welche Zeit einst alle Leute des Gaues
zusammen kamen, auch bei uns der wichtigste Zieltag der Bauern, an
dem sie ihre Verträge schließen.










An Stelle des großen Winterfestes der Germanen, das in den
12 geweihten Nächten zum Gedächtnis der Verstorbenen gefeiert ward, trat
das christliche Familienfest, dessen Namen noch an jene
Weihnächte erinnert, wie auch die Weihnachtsgeschenke und Gebäcke
aus heidnischer Zeit übernommen sind.










Die ersten Anzeichen der neuerwachenden Natur wurden mit
Freudenfeuern begrüßt. Der Funkensonntag mit seinen mannigfachen
Bräuchen ist bei uns ein farbenvolles Abbild jener Feier. Wenn
bei einbrechender Nacht der Funken angezündet wird und rings um ihn
Knaben und Mädchen, Sprüche singend, Fackeln schwingen, erinnert das
Fest noch heute an die Sitten der heidnischen
Naturvölker.










Sobald die Gottheit des aufsteigenden Lichtes die
Winterriesen bezwungen hatte, feierte man das Osterfest, das nach
herkömmlicher Meinung noch in christlicher Gegenwart den Namen der
heidnischen Frühlingsgöttin tragen soll.










St. Ergentag gilt im Allgäu als Bauernfeiertag, weil auch
auf den heiligen Georg ein Strahl des Donnergottes fiel. In manchen
Orten des angrenzenden Schwabenlandes nimmt der 1. Mai die
Stellung ein, die bei uns in Vorarlberg dem Funkensonntag zukommt.
Anstalt am ersten Fastensonntag werden dort Maifunken gebrannt und
Maibäume aufgestellt.










Der Donnerstag von Christi Himmelfahrt, welches Fest um die
Zeit des alten Donarstages gefeiert wird, hat auch in unseren Alpen noch
die Verbindung mit dem gewaltigen Gewittergott bewahrt
und in manchen Tälern, wo die „Auffahrt" in der Kirche durch
Emporziehen eines bekränzten Christusbildes vorgeführt wird, achtet man,
nach welcher Richtung sich dessen Antlitz beim Verschwinden
wendet, weil von dorther dies Jahr alle bösen Wetter kommen. Die
Blumen, die man aus der Öffnung der Kirchendecke wirft, werden im
Montafon zum Schütze gegen Blitzgefahr über der Stalltür
aufgehängt. An anderen Orten des Landes stellt man diese
Beobachtungen beim Aufziehen des Karfreitag Kreuzes an.










In der Bittwoche wurden schon in heidnischer Zeit Umgänge
veranstaltet und dabei die Götter um Fruchtbarkeit und Gedeihen
angefleht. Wie diese heidnischen Flurgänge, ist heute auch das
Wetterläuten von christlicher Anschauung umrankt und in ähnlicher
Weise, wie bei uns die Wetterglocke die wettermachenden Hexen vertreibt,
wirkt die Nebelglocke, die am Bodensee das mystische
Nebelmännchen verscheucht, das hier durch seinen kalten Hauch den
Neben schadet. Neben ihm erscheint in christlicher Zeit auch St. Sophie
als Iswibli.










Große Bedeutung hat der Peter- und Paulstag, auf den ein
Abglanz des zeitlich nahestehenden Donarsfestes fiel. Ende des 16.
Jahrhunderts wird von diesen beiden Heiligen behauptet, sie
seien vom Papst zu Wetterherren und Donnergöttern verordnet worden.
Und um 1441 berichtet der Konstanzer Chronist, dass dort auf St.
Johanns- und Paulstag (26. Juni) ein Hagelfest begangen wurde,
wie man es früher in ganz Deutschland durch die sogenannten
Hagelfeuer feierte. Auch die Funken, welche einst dem Donnergotte
angezündet worden waren, loderten im Christentum zu St. Johanns Ehren
weiter. Am Johannistag wird ein Kränzchen aus Johanniskraut über die
Haustür geheftet und beschützt das Haus vor Gefahren. Im Prätigau
gürtete man sich mit Johanniskraut und warf es danach unter
Sprüchen ins Johannisfeuer. Im Übrigen hat aber Petrus die Aufgaben
des Gewittergottes übernommen und wenn es donnert, sagt der Landmann:
„Petrus tut kegeln". Diesem Heiligen sind sehr häufig die
an das Heidentum anschließenden Kirchen, so die Peterskirche in
Rankweil, geweiht.










Auch die Reimsprüche, welche über Peter und Paul im
Volksmunde sind, in denen die beiden im Streit miteinander stehen.
weisen allem Anscheine nach auf uralten mythischen Kern
zurück.










Wie in heidnischen Tagen wird das frische Grün der Buche und
Birke auch später gern zur Verschönerung der Feste geholt. Und wie der
Haselnußstrauch gilt die einst auf der Thingstätte
beliebte Stechpalme noch heute als unentbehrlicher Bestandteil des
Palmsonntag-Barmens, in dem auch die Holunderkreuzlein auf der
Haselgerte nicht fehlen dürfen. Der Haselnußstrauch, aus dem man
die Wünschelrute schnitt, ist der Muttergottes geheiligt, die nach
der heimatlichen Sage in seinem Schatten gerastet und bei ihm Schutz vor
Ungewitter gesucht hat, weshalb man bei Blitzgefahr am
sichersten unter den Haselstrauch flieht. Um Schutz gegen böse
Wetter zu erlangen, verbrennt das fromme Mütterlein ein paar dürre
Kräuter aus dem Blumenstrauß, den man an Maria Himmelfahrt der
Himmelskönigin weiht. Auch hier haben wir es mit Vorstellungen zu
tun, die bis tief in die vorchristliche Zeit unseres Volkes
zurückreichen und hierin wird eine Sitte aufrecht erhalten, die das
Christentum aus der Heidenzeit nur umgedeutet hat. Bei einigen
Kräutern sind christliche Beziehungen aufgenommen werden. Das gelbe
Labkraut heißt daher unserer lieben Frau Bettstroh, weil das
Jesuskindlein in der Krippe auf solchem Kraute lag und das
Johanniskraut soll seine Heilkraft daher haben, weil es von der Mutter
Gottes berührt wurde, als sie über das Gebirge ging. Bei den
Kräutern handelt es sich vielfach um solche, die wegen ihrer
Heilkraft den alten germanischen Göttern heilig waren. Wermut, Raute,
Knoblauch erhalten durch die „Würzweihe" erhöhte Kraft. Wie jene
dürfen unter den sechsunddreißig Kräutern und Blumen, die nach
altererbter Tradition in einen Palmen gehörten, auch Seidelbast und
Baldrian dessen Name an den lichten Balder erinnert, nicht
fehlen, während jener, wie der bei uns übliche Name Unserfrauen
-Zilata verrät, Marien geheiligt war. Wie schon dessen allgemeiner Name
aus Ziulindebast entstellt ist, findet sich auch in seinen
einheimischen Benennungen: Zialand, Zilinder und Zilata überall das
volksetymologisch umgebildete Ziu-lantha (dem Ziu heilig) erhalten. An
anderen Orten wird Zialand in den Osterpalmen
genommen.










Im Üsafrowadrißgi, das am 15. August beginnt, ist die Natur
den Menschen hold und wer in einer Nacht innerhalb dieser Zeit Farnblust
holt, der kann sich unsichtbar machen und wird immer
glücklich sein.










Wie einzelne Pflanzen, so sind auch bestimmte Tiere, mit
denen einst heidnischer Kult verknüpft war, noch heute oft mit
mancherlei abergläubischen Vorstellungen, die auf mythischen
Charakter deuten, behaftet.










Der im Allgäu zur Abwendung von Viehseuchen übliche Brauch,
einem Heiligen ein Herdentier zu opfern, ist auf das graue Altertum
zurückzuführen.










Weiße Rosse wurden bei den Germanen in heiligen Hainen
gehalten und noch liebt unsere Sage diese Tiere. Eber, Bock und
Rotkehlchen werden zu Donar in Beziehung gebracht. Von Hunden, die
in der heimatlichen Sage oft erscheinen, ward Wodan begleitet, der,
wie auch der hl. Meinrad, von einem wissenden Rabenpaare umgeben war.










Wo die einst einer Göttin heiligen Störche und Schwalben
nisten, bringen sie Glück. Auch das Rotschwänzchen ist bald ein
glückbringendes Vöglein, bald kündet es aber wie Elster und Eule
den nahenden Tod an. Glückverheißend sind die Schlangen mit goldenen
Krönlein. Wie sie, bewacht auch die Kröte geheime Schätze. Wird diese
während der Dreißig „gespießt", kann sie, die einst im
Zauberwesen eine Rolle spielte, zu abergläubischen Heilungen
verwendet werden. Das Marienkäferchen fliegt zum Himmel und holt gutes
Wetter, Spinnen bringen Glück und werden in Ställen gern
geduldet; besonders Kreuzspinnen dürfen nicht getötet werden.










Bienen muss man anders stellen, wenn im Haus jemand
gestorben ist. Wespen werden durch Sprüche gebannt, wie überhaupt vom
Bannen die Sage noch viel zu vermelden weiß. Besonders begehrt
ist die Kunst, durch geheime Sprüche Blut zu stillen, wozu ja schon
das älteste Denkmal der deutschen Literatur dienen sollte.










Auf untergegangenen Naturkult geht wohl das Quellenfüttern
im Innerwald und Mittelberg zurück, dem die Vorstellung von einem in der
Quelle hausenden Tier zu Grunde liegt. Im Sonnenspeisen
haben sich die letzten Spuren eines uralten Lichtkultes bis in die
jüngste Zeot herauf erhalten.










So vielfältig und innig sind die Beziehungen, die das Denken
und Fühlen mit dem Glauben und den Anschauungen einer längst
vergangenen Zeit verbunden und es handelt sich nur darum, das
Heute offenen Auges zu schauen, um zu erkennen, wie viel aus dem
Borne der heidnischen Vorzeit ins Leben und Streben der Gegenwart
quillt.








Auszug aus: Aufsätze und Bilder aus der Geschichte Vorarlbergs und seiner Umgebung, Franz Haefele, Dornbirn 1922, S. 20ff

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